Hilfe beginnt im Kleinen

Gravitas ist ein Vorarlberger Hilfsverein, der in Not geratenen Menschen hilft - und zwar direkt und ohne bürokratischen Aufwand. Obmann Gerold Kaufmann skizziert die Ziele und Schwerpunkte des ehrenamtlichen Vereins, der aktuell ein Projekt in der Ukraine unterstützt.

1. Wie kommen fünf Personen aus den unterschiedlichsten Branchen auf die Idee, einen karitativen Verein zu gründen?

Hilfe und Unterstützung sind die Verantwortung einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Die internationale Entwicklung zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich kontinuierlich größer wird. Die Politik scheint dieser Tendenz nichts entgegen setzen zu können. Die Bürger- und Zivilgesellschaft ist daher mehr denn je gefordert, jenen Menschen zu helfen, die Hilfe dringend nötig haben. Hilfe muss im Kleinen beginnen, nur so kann sie auch auf einer höheren Ebene funktionieren.

2. Welches konkrete Ziel verfolgt Gravitas?

Gravitas definiert sich als 1. Vorarlberger Hilfsverein zur Unterstützung von Menschen in Not. Das Hauptaugenmerk wird auf die Unterstützung von Kindern, Familien und alten Menschen gerichtet. Menschen in Not zu helfen, lohnt sich immer. Wenn auch nur einem einzigen Menschen geholfen werden kann, macht sich jede Kraftanstrengung dafür bezahlt.

3. Unterstützt Gravitas ausschließlich regionale Hilfsprojekte oder sind nationale oder sogar internationale Unterstützungsmaßnahmen geplant?

Wir helfen im Rahmen unserer Möglichkeiten und dort, wo die Hilfe besonders notwendig ist. Hilfe für Menschen in Not darf keine Grenzen kennen. Unser erstes Projekt hilft notleidenden Kindern in der Ukraine, die auf kein staatliches Sozialnetz hoffen können. Selbst in einem reichen Land wie Vorarlberg, gibt es aber zu viele Menschen, die unschuldig in Notsituationen geraten sind und einer Unterstützung bedürfen. Hier werden wir den nächsten Hebel ansetzen.

4. Im Rahmen welchen Projektes engagiert sich Gravitas derzeit?

Aktuell helfen wir Kindern im ukrainischen Jablunitsa. Mit Hilfe von Spendengeldern ermöglicht Gravitas den Bau eines Hauses in einem Gesundheitszentrum, das von der Caritas Spes Ukraine geführt wird. Auch das Land Vorarlberg hat dieses Projekt unterstützt. Das Gesundheitszentrum umfasst u.a. 20 Holzhäuser und bietet Waisenkindern, Sozialwaisen, Kindern mit Invalidität und Kindern die an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe leiden die Möglichkeit, Ihren körperlichen Zustand durch eine optimale Betreuung zu verbessern.

5. Wie finanziert sich Ihr Verein?

Unser Hilfsverein hat keine Verwaltungskosten und braucht daher auch keine direkte Finanzierung - Gravitas wird zu 100 Prozent von ehrenamtlichen Mitarbeiten getragen. Kein Vereinsmitglied erhält für seine Arbeit auch nur einen Euro - im Gegenteil, Vorstand und Mitglieder stellen private Mittel für die Hilfsprojekte zur Verfügung. Der Verein lukriert seine Gelder, die für die Projekte benötigt werden, aus den Mitgliedsbeiträgen, deckt aber auch sämtliche Kosten und Anschaffungen aus den privaten Möglichkeiten des Vorstandes bzw. der Mitglieder.

6. Wie garantieren Sie den Spendern und Förderern, dass die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel auch in vollem Umfang in ein konkretes Hilfsprojekt investiert werden?

Die Vereinsstatuten sehen vor, dass keine Verwaltungskosten verrechnet werden dürfen. Unser Credo lautet größtmögliche Transparenz - es sind keine Mitarbeiter zu bezahlen, daher fließen die finanziellen Mittel auch vollständig in ein konkretes Projekt. Wenn Gravitas eine Spende von 100 Euro bekommt, dann wird genau der Betrag von 100 Euro in die jeweilige Hilfsaktion investiert.

7. Werden die Gravitas-Mitarbeiter bezahlt oder basiert der Hilfsgedanke auf ehrenamtlicher Arbeit?

Gerade in Vorarlberg ist das ehrenamtliche Engagement stark ausgeprägt. Diesen Weg geht auch Gravitas - wer sich für unseren Verein einsetzt, hilft aus dem Wissen der Notwendigkeit, notleidende Menschen zu unterstützen. Selbst Reisekosten, Telefonkosten oder Druckerpatronen werden von uns nicht ersetzt und sind selbst zu tragen. Nur so können wir die Garantie abgeben, dass jeder gespendete Euro auch tatsächlich in vollem Umfang dort ankommt, wo Hilfe notwendig ist.

8. Was sind die Voraussetzungen, um von Gravitas unterstützt zu werden?

Gravitas ist ein neuer und kleiner Verein, wir können natürlich nur punktuell Hilfe und Unterstützung leisten. Wenn Hilfeansuchen an uns herangetragen werden, machen sich zumindest zwei Vorstands-Mitglieder direkt vor Ort - und auf eigene Kosten - einen Eindruck von der Situation. Der gesamte Vorstand entscheidet schließlich, ob und in welcher Reihenfolge eine Hilfsmaßnahme gesetzt wird.

9. Wo setzt Gravitas den Hebel an, wenn das Projekt in der Ukraine abgeschlossen ist?

Das aktuelle Projekt in der Ukraine läuft hervorragend und stimmt optimistisch, dass sich unsere Hilfe wirklich lohnt. Im besten Fall können wir unsere Hilfe in Jablunitsa mit Ende 2009 abschließen. Danach muss eine Bewertung der unterstützenswerten Fälle passieren, nach der Ukraine scheint ein Projekt in Vorarlberg Sinn zu machen. Menschen, die Hilfe brauchen, gibt es auch hier bei allem Wohlstand zur Genüge.

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Interview mit Gerold Kaufmann


Interview mit Gerold Kaufmann


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